Festival-Nachbericht

Peter Strempel, ein Roskilde-Urgestein vom Festival-Service aus Kiel, war so eifrig und hat die Ereignisse des diesjährigen Festivals zusammengefasst.

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Hier sein Bericht:

Das Fest 06 ist zu Ende – das nächste ist am Start

Das Roskilde Festival 06 wurde schon im Vorfeld wegen seines Line-Ups von den Medien in höchsten Tönen gelobt.. Mit 79.000 Zuschauern war es Tage vor Beginn ausverkauft. Die Fans aus aller Herren Länder sollten nicht enttäuscht werden. Schon zum Warm-Up waren mehr als 40.000 Fans angereist und feierten bei hochsommerlichem Wetter auf den Agoras der Campingplätze ihre Partys. Dabei avancierte der integrierte Badesee zum absoluten Hit. Als das Festival endlich begann, war die Stimmung exstatisch aufgeheizt, die Begeisterungsfunken schlugen auf jede Bühne über, ließen jedes Konzert zu einem Fest werden; dabei war die Atmosphäre so bunt, heiter, locker und friedlich, dass die Polizei konstatierte, ’sie habe noch nie soviel Zeit zum Musikhören gehabt wie in diesem Jahr’. Und das, obwohl 14.000 Leute mehr da waren als 2005.
Die Tage verflogen wie im Rausch, so dass es am Ende vielerorten hieß: „Was? Schon wieder alles vorbei?“
Auf den sechs Bühnen waren 160 Bands aus allen Ecken der Welt zu sehen. Zu den musikalischen Höhepunkten zählten: Kaizers Orchestra, Morrissey, Scissor Sisters, Primal Scream, Tool, Kanye West, The Strokes, Franz Ferdinand auf der Orange Stage; einzig ärgerlich war der Auftritt von Axl Rose: erst ließ er 50.000 Fans über eine Stunde warten und dann lieferte er eine Art Zirkusnummer ab, bei der er laut dänischer Presse als „lalleglad (frohlallender) Sprechstallmeister“ wirkte. Egal. In der Arena brachten Deus; Sigur Ros, Gogol Bordello & The Gipsy Punks, The Streets, Kashmir, Seeed, George Clinton Parliament/ Funkadelic, Arctic Monkeys, Kaiser Chiefs das Blut zum Kochen. Rock vom Feinsten lieferten im Odeon Editors, Clap Your Hands Say Yeah, Veto, Death Cub for Cutie, Under Byen, Phoenix, Amplifier, Wolfmother, The Raconteurs. Die Massen zum Tanzen brachten im Ballroom Ruben Ramos & The Mexican Revolution, Toumani Diabete´s Symmetric Orchestra, Ba Cissoko, Fat Freddys Drop, Sergent Garcia, Free Hole Negro, Mercadonegro, Hammond Rens, Ed Motta, Balkan Beat Box. Für Party im Metropol sorgten Whomadewho, Radiosoulwax, Birdy Nam Nam, Happy Mondays, Statler & Waldorf Showcase, Coldcut. Hervorragende Gigs im Pavilion boten Martha Wainwright, Kudu, The Ex, Tech N9ne, Killl, Animal Collective.
Das in jeder Hinsicht geglückte Festival beendete auf der Orange Stage Roger Waters mit einem makellosen Auftritt. Mit einem Medley von Stücken wie „Set The Controls For The Heart Of The Sun“, „Wish You Were Here“, „Shine On You Crazy Diamond“, bei dem er das Konterfei von Syd Barett auf der Großbildleinwand zeigte, startete er seine Soundoffensive, um sie nach einer kurzen Pause mit „Dark Side Of The Moon“ auf den Höhepunkt zu treiben. Das begeisterte Publikum brachte ihn zu zwei Zugaben.
Damit war das Festival 06 offiziell zu Ende. Roskilde konnte zu diesem Zeitpunkt schon sagen, dass ca. 750.000 € an Überschüssen für soziale Zwecke gespendet werden können, davon das meiste an „Act Against Slavery“.
Beim Abtanz mit den Infadels in der Arena neigte sich das Festival dann endgültig seinem Ende zu. Es hinterließ bei allen Beteiligten, Gästen, Medien, Künstlern, den über 21.000 Volunteers nur leuchtende Gesichter. Gerühmt als bestes Festival seit Jahren, hat es auch im 36. Jahr seinen einzigartigen Charakter in der Festivallandschaft europa- wenn nicht gar weltweit bewiesen.
Überall war zu spüren: Vi Vil Ses Igen I Roskilde, 2007 vom 5. bis 8. Juli, Warm-Up ab 1. Juli.

Peter Strempel

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